Musikalische Lesung in München

Diesmal gab es auf unserer jährlichen Lesung in der Seidlvilla in München eine Neuheit: Vincent Oelkers der Münchner Band Pepperella hat unsere Texte musikalisch begleitet. Ob fallenden Schnee oder Tanzkurskommandos – dem Gitaristen gelang es, die Zuschauer in unsere imaginierten Welten zu entführen. Die Bilder sprechen Bände. Das Video unserer gemeinsamen Aufführung meines Textes „Walzer im Selbstgespräch“ ist hier zu sehen.

Der erste Prosatheks-Roman ist da!

Verena Ullmann aus meiner Autorengruppe Prosathek hat den ersten Band unserer Roman-Reihe veröffentlicht.
Gleich werde ich meine vier Kinder in Matschhosen und Regenjacken einpacken, sie zur Buchhandlung schleppen und dann auf irgendeinen Spielplatz, um mich von dort aus auf die sonnenverwöhnte Papageininsel zu träumen.

Ob es da überhaupt traumhaft wird, weiß ich allerdings nicht. Die Leseprobe zeichnet das Bild einer jungen Frau, mit der ich mich sofort identifizieren konnte, die sich aber bezüglich ihrer Lage offenbar völlig irrt: Zwei Wochen nur, glaubt sie, dauert die unwillkommene Einarbeitung in ihren neuen Job auf einer ihr unbekannten Insel. Das Ende des kleinen Ausschnitts, den man vorab lesen durfte, lässt mich mit meiner linken, schwächeren Hand am rutschigen Kliff hängen: Sie hat Unrecht und ich muss wissen, wie es weitergeht!

Weiter geht es in der Prosatheks-Roman-Reihe übrigens mit meinem Roman „Die letzte Flaschenpost“, der im kommenden Frühjahr (2020) erscheinene wird. Und dann folgen die Romane meiner Prosathekskollegen, bis wir eine schöne Reihe beisammen haben. Wer uns von unseren Anthologien oder Lesungen kennt, weiß, dass hier verschiedene neue Stimmen zusammenkommen.

Die letzte Flaschenpost – der letzte Satz ist geschrieben

Der letzte Satz leuchtet schwarz vom weißen Bildschirm. Die Gefühle sind mannigfaltig. Stolz, Erleichterung, etwas wie Atemnot und der erste Hauch von Leere.
So etwas kennt man vom Lesen, wenn einem die Figuren ans Herz gewachsen sind (Buchempfehlung am Rande: A little life von Hanya Yanagihara). Dann schließt sich der Buchdeckel und die neugewonnen Freunde verschwinden im Regal und aus dem Leben.

Wie extrem es ist, wenn man als Autorin zehn Monate unentwegt über seine Figuren nachgedacht hat, erlebe ich jetzt. Wie reagiert ER darauf, dass SIE plötzlich nicht mehr erreichbar ist? Wie reagiert SIE darauf, wenn SIE erfährt, was in Wirklichkeit passiert ist? Wie lange haben SIE Lust, Flaschenposten hinterherzujagen und wie kann ich SIE dazu verführen, nicht aufzugeben? Beim Kochen, beim Duschen, in der Straßenbahn und beim Arzt habe ich über SIE nachgedacht, IHNEN eine Geschichte, einen Charakter, Freunde, Vorlieben und Macken geschneidert – und dann ist der letzte Satz geschrieben. Ihre Geschichte erzählt. Alle Geheimnisse gelüftet, der Weg in eine unbekannte Zukunft angelegt. Und über was soll ich jetzt nachdenken? (Ich weiß es, aber ich wage es nicht, es auszusprechen: Meine Steuererklärung…)

Bald kommen SIE noch mal auf einen Abstecher zurück, lekotriert, dann korrigiert, auf ein letztes lebendiges Wiedersehen, zur Mutation fähig. Dann sind die einstigen Gedanken manifest im Buch. Können nur durch Lesen wiedererweckt werden. In den Köpfen anderer, für die SIE gedacht waren.

 

Mein Roman auf der Tolino Longlist

Er ruht schon ein paar Jahre in der metaphorischen Schublade, mein Jugendroman „Cara und die Erdkraken“. Zwischen seine Fertigstellung und seine Veröffentlichung sind  – hups! – meine vier reizenden Kinder gerutscht. Aber zum Glück habe ich gute Freunde und Kollegen, die mich auf den Schreibwettbewerb von Tolino und Impress vom Carlsen Verlag aufmerksam gemacht haben. Da konnte ich den Roman kurzerhand hochladen und schauen, was passiert.
Jetzt die erste Nachricht: Er ist in die Longlist gekommen, hat 150 Romane ausgebootet und ist jetzt unter den letzten 30! Da huscht mir doch immer wieder ein stolzes Lächeln übers Gesicht.
Schön! Die liebe Cara und ihre beiden Freunde, die durch ein dummes Missgeschick mitten in den Turbulenzen des Erwachsenwerdens machtgierige Erdkraken zum Leben erweckt haben, tauchen also nun selbst aus der Dunkelheit der Schublade auf, um die Welt zu erobern. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie nicht nur durch die Köpfe der Jury-Mitglieder geistern, sondern bald auch durch die jüngerer Leser, für die ich Cara und die Erdkraken geschaffen habe.

Von Mandarinen, Zwillingen und Weihnachtskrimis

Meine Zwillinge sind endlich da! Neun Tage nach ihrem Termin haben sie sich notgedrungen bereit erklärt, den riesigen Bauch zu verlassen, den sie sich in den vergangenen neun Monaten geschaffen hatten.
Das hat nun viele Vorteile. Zum Beispiel kann ich ein Stückchen Mandarinenschale, das mir in meinem vorweihnachtlichen Mandarinenwahn hinabgefallen ist, jetzt auch wieder aufheben. Zuvor hatte ich es auch versucht, doch da hatte mich die Wucht meines medizinballschweren, gymnastikballgroßen Zwillingsbauchs zu Boden gezogen und ich habe da gelegen, auf dem Stück Mandarinenschale, und musste warten, bis mein Mann mich mit Hilfe unserer Nachbarn wieder auf die Beine gezogen hatte.
Jetzt könnte ich also die Mandarinenschale aufheben, kein vollmondartiger Vorbau könnte mich noch daran hindern, allerdings ist es mit zwei Babys in den Armen nun unmöglich geworden, die Mandarine überhaupt erst zu schälen.
Sie sind nun endlich da, und es sind… Trommelwirbel… wir mussten uns nämlich notgedrungen, was die Geschlechter angeht, überraschen lassen… Trommelwirbel… zwei knuffige, goldige Buben geworden. Gesamtgewicht: 6730 Gramm, Plazenten, Fruchtwasser etc. nicht einberechnet. Netto. Sozusagen. Willkommen meine Herzchen!
Kaum sind die Zwillinge auf der Welt ist meine Lethargie aus „Sie werden niemals kommen, ich warte jetzt schon knapp vier Wochen, dass sie täglich kommen“ und aus „Ich kann mich nicht mehr bewegen, ächz…“ davongeblasen und ich nutze die ersten Minuten, in denen die beiden schlafen (auch wenn ich selbst nächtlich nur 2 Stunden Schlaf bekomme) dazu, na? Was? Natürlich zu schreiben. Was kleines, aber ich bin froh und stolz, dass mein Text es trotzdem ins Rhein-Main-Wochenblatt geschafft hat.
Es ist das letztes Kapitel eines Weihnachtskrimis. Mein Schluss hat die Redaktion überzeugt – juhu! – und ich habe Karten für die Show „Männerabend“ geschenkt bekommen. Vielen Dank! 😀
Bleibt nur noch die Frage, wer dann auf meine vier Kinder aufpasst. Freiwillige sind dazu aufgerufen, sich zu melden!
Nachdem dieses Update in einem mehrstufigen Prozess entstanden ist, unterbrochen von Stillen, Wickeln, Wickeln, Umziehen, Bett-neu-Beziehen, Bäuerchen-Hervorlocken, Tragen und Tragen, werde ich mich nun wieder den lieben Kleinen widmen, die auf der Couch liegen und schon nach mir rufen.
Langweilig ist das Leben schon mal nicht!

Interview im Bücherstadt Kurier

Einmal durch die Bücherstadt schlendern und sich am Stadtgespräch beteiligen. Durch die Bücherstadt mit ihren nostalgischen Gässchen und windschiefen Häusern, die aus einem gezeichneten Buch entspringen…
Ich habe es getan, in der Fantasie oder virtuell – das bleibt der Romantikskala jedes einzlenen überlassen – , und zwar zusammen mit meinen Co-Autoren Arina Molchan, Lydia Wünsch, Verena Ullmann und Victoria B. Das Stadtgespräch drehte sich rund um unsere Anthologie Nichts Dramatisches und darum, wie man als Autorengruppe mit so vielfältigen Interessen ein gemeinsames Buch herausbringen kann.
Alle Fragen und Antworten findet ihr im Bücherstadt Kurier: 10 Fragen an die Prosathek

Schlaflos überall

Es ist vier Uhr nachts. Die Familie schläft. Mein Mann, mein Sohn, meine Tochter, ich. Nur zwei Wesen treiben unter meiner Bettdecke ihr Unwesen, stellen sich einem Boxkampf, kämpfen um neue, bessere Positionen: Die kommenden Zwillinge. Ich wache auf. Hat sich schon mal jemand gefragt, wie sich eigentlich die Ringarena nach einem Boxkampf fühlt? Die Matte durchgetrampelt, die Seile gedehnt und gezerrt. Dabei wollte sie einfach nur schlafen. Sich erholen für den kommenden Tag. Und ich denke: Wann, wenn nicht jetzt, sich elegant und lautlos aus dem Bett wuchten zum Laptop schleichen und endlich wieder bloggen? Um vier Uhr ist die Wahrscheinlichkeit, nicht abgelenkt zu werden, ziemlich hoch. Die Schwärze der Nacht wiegt mich in ein Gefühl von Heimlichkeit, in der ich alles, was mich bewegt, intim mit dem Leser dieses Blogs teilen kann:

  • Ich fühle mich wie eine volle Wassertonne, habe aber Spannung eines zusammengerollten Teppichs.
    Körperspannung einer Schwangern
    Körperspannung einer Schwangern

    Seit wann gibt es bitte Zwillinge in unserer Familie? Wenn sie kommen, werde ich vier Kinder unter fünf haben. Aber das wird selbstverständlich keine Auswirkungen auf meine literarische Tätigkeit haben 😉 (Reden wir in einem Jahr nochmal)

  • Die Wohnung ähnelt einem leeren Bienennest. Der Bücherschrank ist ein Wabenblock ohne Honig, ohne Bienenbabys. Ein paar vereinzelte Bienenleichen in Form von Sachbüchern über Schwangerschaft und Erziehung und Steuerordnern sind noch übrig.Waben und Bienen Der Rest ist schon in Kartons gepackt und in das neue Haus gezogen, das gerade noch renoviert wird. Die Wohnung wird weiter und tiefer ausgehölt, bis auch die letzten verschwinden werden: Wir.
    Natürlich nur, um in unser neues Zuhause umzuziehen, das sechs menschlichen Lebewesen Platz bietet. (Was ich von unserer aktuellen Dreizimmerwohnnung nicht behaupten kann…)
  • In stiller Trauer und in liebevollem Gedenken: Lebt wohl, Daten meiner Festplatte. Mitte Juli 2017 sind sie von mir gegangen: meine Bilder, Videos (beides natürlich völlig unwichtig) und vor allem: meine Texte und Gedichte. Aus dem Nichts sind sie gekommen, ins Nichts werden sie gehen.
    (Auferstehung ist wohl möglich, wir warten auf die Ergebnisse genialer Informatik-Genies, die in sterilen, vakuumierten Räumen mit der Akrebie heiliger Pillendreher die Festplatte untersuchen.)

    Versuch einer Auferstehung
    Versuch einer Auferstehung

Genug von dem privaten, unwichtigen Geplänkel!

  • Schlaflos ist das Motto! Vor ein paar Tagen erschien im August ein sehr hübsches Bändchen mit Kurzgeschichten. Herausgegeben vom Ellington Hotel Berlin. Der Titel: „Schlaflos im Ellington. Volume 3“ Genau mein Fall, könnte man meinen. Tatsächlich habe ich die Ehre zu den 10 Gewinnern des Kurzgeschichtenwettbewerbs zu gehören.
    Die Geschichten sind amüsant, nachdenklich, spannend – jede auf ihre Art fesselnd. Dazu gibt es liebevolle Illustrationen. Das Buch ist als hardcover gebunden, schmiegt sich geschmeidig in die Hand und gibt seinen Erlös zur Hälfte an die Tafel ab. Alles in allem eine sehr feine Sache. Ich freue mich, dazuzugehören.

Lesung im Mainzer Hugendubel

Am vergangenen Freitag habe ich mit der Prosathek unser aktuelles Werk „Nichts Dramatisches“ vorgestellt. Es war ein sehr schöner Abend mit einem sehr aufmerksamen Publikum. Uns hat es viel Spaß gemacht, vor allem die Diskussion im Anschluss. Hier sind ein paar Eindrücke:

Dominik Leitner rezensiert „Nichts Dramatisches“

Unsere Kurzgeschichtensammlung „Nichts Dramatisches“ wurde zum zweiten Mal rezensiert, diesmal von Dominik Leitner auf seinem Literaturblog Neon Wilderness.

Wenn man neun Monate lang zu neunt an einem Literaturprojekt gesessen, getüftelt und gekritzelt hat und dann eine Kritik dabei herauskommt, die so klingt:

„Dass wirklich neun von neun Geschichten einen Treffer erzielen, das ist schon eine Leistung.“

dann weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat, im letzten Jahr.
Ich möchte mich bei Dominik Leitner bedanken, dass er sich die Zeit genommen hat, unser Literatur-Bändchen zu lesen, zu beschreiben und

„allen ans Herz [zu legen], die der Dramatik in Erzählungen nicht abgeneigt sind“.

Dem schließe ich mich gerne an und weise darauf hin, dass man „Nichts Dramatisches“ nicht nur über Amazon bestellen kann, sondern auch in jeder Buchhandlung. Z.B. im Hugendbubel in Mainz, in dem wir am 28.April „Nichts Dramatisches“ live vorstellen.
Eine weitere Rezension von „Nichts Dramatisches“ ist auch auf Academic World erschienen.