„Die Helden seid ihr!“ Märchenhelden äußern sich zur Pandemie

Stiefmütter trachten nach ihrem Leben, sie sind eingeschlossen im Türmen, in einen garstigen Frosch verwandelt oder einfach nur mittellos, jung und brauchen das Geld. Unsere Märchenhelden finden sich oft in aussichtslosen Situationen wieder, ihr Handlungsspielraum ist eingeschränkt und natürlich … finden sie trotzdem einen Weg zum Happy End. Es sind ihre Lebenseinstellung und ihre Kreativität, die sie den Widrigkeiten trotzden lassen. Genau das, was wir heute brauchen! Darum lassen wir ein paar von ihnen selbst zu Wort kommen:

Schneewittchen

Was würde Schneewittchen während der Pandemie tunIch weiß genau, was ihr durchmacht: Gerade war ich noch eine Prinzessin mit eigenem Pony, Kammerzofe und Manierenunterricht. Plötzlich sagt der Jäger: „Lauf, die Königin will dich töten!“ und im nächsten Moment wohne ich in einem Zwergenhaus in einer WG mit sieben bärtigen Männlein. Okay… Manchmal ändern sich die Lebensumstände krass. Kutschefahren ist vorbei, jetzt heißt es die neue Situation annehmen und das Beste draus machen: Zwergensocken waschen und auf die Leine hängen, bisschen Staubwischen, einen Gemüsegarten anlegen und in den uralten Kochbüchern der Zwerge stöbern. Ich entdecke neue Fähigkeiten und höre abends lustige Geschichten. Dieses Leben ist zwar anders, aber auch nicht schlecht. Seid flexibel, seht das Positive! Wie oft hattet ihr kein Bock auf Schule? Standet im Stau? Wart gehetzt von den vielen Aktivitäten, kamt nie mal runter und hattet keine Zeit für das Wesentliche? Entdeckt das Gute an der neuen Situation. Sie dauert nicht ewig an. Ich selbst habe da so ein Gefühl, dass ich auch nicht ewig bei den Zwergen bleiben werde.

 

Der gestiefelte Kater

Die Lage ist natürlich gerade schlecht für unsere Geschäfte. Wenn wir weitermachen wie bisher, kommen wir nicht zum Ziel. Klee_Was würde der gestiefelte Kater tunUnd das gilt es im Auge zu behalten. Wie bei Jonas, für den ich das einzige bin, was er besitzt. Der saß da ohne Erbe und ohne Ausbildung und hatte es dabei so sehr verdient, richtig groß rauszukommen. Das Ziel muss klar sein, das habe ich ihm auch gesagt. Und dann muss man eben ein bisschen kreativ werden. Etabliere einen neuen Tagesablauf, entwickle neue Ziele, die man auch im Lockdown erreichen kann! Wie viele bieten jetzt Lieferservices an und haben das Weihnachtsfest neu erfunden! That’s the spirit! Sei flexibel, finde deine Nische! Und verliere das Ziel nie aus den Augen! Vielleicht entdeckst du Fähigkeiten in dir, die nur darauf gewartet haben, geweckt zu werden!

Rapunzel

Klee_Was würde Rapunzel tun

Ja, Lockdown! Da spreche ich wirklich aus Erfahrung. Ich wurde gerade vom Mädchen zur Frau, peng! saß ich in einem Turm fest, der so quarantänesicher war, dass nicht mal die Hexe sich einfach rein- und raushexen konnte. Da fällt einem natürlich die Decke auf den Kopf. Ist wirklich bescheiden, da kann man nichts schönreden! Was habe ich also gemacht? Ich habe mir Lieder ausgedacht, meine Stimme trainiert und so laut und schön gesungen, wie ich konnte. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber bei mir hebt das die Stimmung. Und ich habe auch davon geträumt, dass irgendwann irgendwer – es musste auch kein Prinz sein – kommt und mich befreit. Das war so ein kleiner Hoffnungsschimmer. Aber was mir wirklich am meisten geholfen hat, war zu lernen geduldig zu sein! Geduldig warten, bis sich die Situation ändert. Daran, dass das irgendwann passiert, hatte ich keine Zweifel. In der Zwischenzeit habe ich die Hexe um gute Bücher, einen Zugang zur Arte-Mediathek und Strickzeug gebeten. Das ist auch der Tipp, den ich euch geben würde: Freut euch schon mal darauf, wenn alles wieder vorbei ist. Und solange: bleibt geduldig und beschäftigt euch sinnvoll! 😉

Der Froschkönig

Die Hexe hat mich ja – jedenfalls in Annika Klees VersionKlee_Was würde der Froschkönig tun meines Märchens aus „Verhext und wachgeküsst“ – deshalb in einen Frosch verzaubert, weil ich mich ihr gegenüber etwas respektlos verhalten habe. Der Hexenfluch sollte nur aufgelöst werden, wenn ich auch einer Prinzessin gegenüber ein freches Verhalten an den Tag lege, das sie richtig echauffiert. Und das liegt mir wirklich gar nicht. Also gar nicht. An dieser Aufgabe hatte ich richtig lange zu knabbern. Und ich musste auch echt über meinen Schatten springen, als ich meine dreisten Forderungen gestellt habe. Aber ich muss sagen, so blöd die Situation für mich auch war, in einen Frosch verwandelt worden zu sein und meine tiefe, stattliche Stimme gegen ein klägliches Froschquaken eintauschen zu müssen, ich habe dadurch viel über mich selbst gelernt. Nur wenn man ganz unten ist, kann man über sich selbst herauswachsen. Ich weiß, wie blöd die Situation für euch ist. Euer Leben steht Kopf, es kommen ständig unbestätigte, schlechte Nachrichten. Man weiß nicht, was man glauben soll, und erst recht nicht, wann man wieder ins alte Leben zurück kann. Aber ihr wachst dabei über euch hinaus! Und wie ihr das wegsteckt, ist wirklich bewundernswert! Und deshalb finde ich, und die anderen Märchenhelden stimmen mir zu:  Die Helden von heute seid ihr!

„Verhext und wachgeküsst“ ist ein Hörspiel-Märchen-Album, das ihr auf dem Geschichtenerzähler von Lunii hören könnt. Hier gehts zu meinen 18 Märchen.

Veröffentlicht von annikakemmeter

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