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Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis 2017

Meine Freundin und Co-Autorin der Prosathek, Verena Ullmann, freut sich riesig über den Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis, mit dem sie von der Stadt München für ihr Lyrikprojekt Wedafest ausgezeichnet wurde. Ich freue mich auch für sie und bin mächtig stolz!

Die Jurybegründung:

„Verena Ullmann hat mit „Wedafest“ einen Gedichtzyklus vorgelegt, den sie selbst als „inneren Wetterbericht“ einer Beziehung bezeichnet, die von der Begegnung, dem Zusammenfinden, bis zu Trennung und Verarbeitung verläuft. 24 Gedichte mit einem doppelten Du, das sowohl Anrede als auch Selbstgespräch ist. Es sind knappe, karge, aber sehr genau komponierte Gedichte, für die Verena Ullmann die niederbayerische Mundart gewählt hat.
Das Erstaunliche an diesen Mundart-Gedichten ist, dass sie ohne jede Butzenscheiben-Behaglichkeit auskommen. Die Autorin selbst findet in der Mundart einen „Rückzugsort“, mit der sie das Liebesgedicht verfremden kann. Aber es ist ihr deutlich mehr gelungen. Sie nutzt die Traditionen volkstümlicher Lyrik in ihrer Lakonik und Schlichtheit, belebt die kindlichen Rhythmen des Strophenliedes, um auf sehr leise und intime Weise von dem Liebeserlebnis zu erzählen, es zu befragen und alle emotionalen Farben zu zeigen. Das ist originell, in hohem Maße eigenständig und sprachlich gelungen.“

Am Freitag, den 29 September 2017, findet um 19 Uhr im Literaturhaus München (Salvatorplatz 1) die Preisverleihung mit Lesung aller diesjährigen Literaturstipendiaten statt.

Eintritt frei! 

(Bitte um kurze Zusage an katrin.dirschwigl@muenchen.de)

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Schlaflos überall

Es ist vier Uhr nachts. Die Familie schläft. Mein Mann, mein Sohn, meine Tochter, ich. Nur zwei Wesen treiben unter meiner Bettdecke ihr Unwesen, stellen sich einem Boxkampf, kämpfen um neue, bessere Positionen: Die kommenden Zwillinge. Ich wache auf. Hat sich schon mal jemand gefragt, wie sich eigentlich die Ringarena nach einem Boxkampf fühlt? Die Matte durchgetrampelt, die Seile gedehnt und gezerrt. Dabei wollte sie einfach nur schlafen. Sich erholen für den kommenden Tag. Und ich denke: Wann, wenn nicht jetzt, sich elegant und lautlos aus dem Bett wuchten zum Laptop schleichen und endlich wieder bloggen? Um vier Uhr ist die Wahrscheinlichkeit, nicht abgelenkt zu werden, ziemlich hoch. Die Schwärze der Nacht wiegt mich in ein Gefühl von Heimlichkeit, in der ich alles, was mich bewegt, intim mit dem Leser dieses Blogs teilen kann:

  • Ich fühle mich wie eine volle Wassertonne, habe aber Spannung eines zusammengerollten Teppichs.
    Körperspannung einer Schwangern
    Körperspannung einer Schwangern

    Seit wann gibt es bitte Zwillinge in unserer Familie? Wenn sie kommen, werde ich vier Kinder unter fünf haben. Aber das wird selbstverständlich keine Auswirkungen auf meine literarische Tätigkeit haben 😉 (Reden wir in einem Jahr nochmal)

  • Die Wohnung ähnelt einem leeren Bienennest. Der Bücherschrank ist ein Wabenblock ohne Honig, ohne Bienenbabys. Ein paar vereinzelte Bienenleichen in Form von Sachbüchern über Schwangerschaft und Erziehung und Steuerordnern sind noch übrig.Waben und Bienen Der Rest ist schon in Kartons gepackt und in das neue Haus gezogen, das gerade noch renoviert wird. Die Wohnung wird weiter und tiefer ausgehölt, bis auch die letzten verschwinden werden: Wir.
    Natürlich nur, um in unser neues Zuhause umzuziehen, das sechs menschlichen Lebewesen Platz bietet. (Was ich von unserer aktuellen Dreizimmerwohnnung nicht behaupten kann…)
  • In stiller Trauer und in liebevollem Gedenken: Lebt wohl, Daten meiner Festplatte. Mitte Juli 2017 sind sie von mir gegangen: meine Bilder, Videos (beides natürlich völlig unwichtig) und vor allem: meine Texte und Gedichte. Aus dem Nichts sind sie gekommen, ins Nichts werden sie gehen.
    (Auferstehung ist wohl möglich, wir warten auf die Ergebnisse genialer Informatik-Genies, die in sterilen, vakuumierten Räumen mit der Akrebie heiliger Pillendreher die Festplatte untersuchen.)

    Versuch einer Auferstehung
    Versuch einer Auferstehung

Genug von dem privaten, unwichtigen Geplänkel!

  • Schlaflos ist das Motto! Vor ein paar Tagen erschien im August ein sehr hübsches Bändchen mit Kurzgeschichten. Herausgegeben vom Ellington Hotel Berlin. Der Titel: „Schlaflos im Ellington. Volume 3“ Genau mein Fall, könnte man meinen. Tatsächlich habe ich die Ehre zu den 10 Gewinnern des Kurzgeschichtenwettbewerbs zu gehören.
    Die Geschichten sind amüsant, nachdenklich, spannend – jede auf ihre Art fesselnd. Dazu gibt es liebevolle Illustrationen. Das Buch ist als hardcover gebunden, schmiegt sich geschmeidig in die Hand und gibt seinen Erlös zur Hälfte an die Tafel ab. Alles in allem eine sehr feine Sache. Ich freue mich, dazuzugehören.

Lesung im Mainzer Hugendubel

Am vergangenen Freitag habe ich mit der Prosathek unser aktuelles Werk „Nichts Dramatisches“ vorgestellt. Es war ein sehr schöner Abend mit einem sehr aufmerksamen Publikum. Uns hat es viel Spaß gemacht, vor allem die Diskussion im Anschluss. Hier sind ein paar Eindrücke:

Schreibgruppe Prosathek kommt nach Mainz

Werden wir die Trennung überstehen? Ich zog aus München weg von der Prosathek nach Mainz, in meine Heimatstadt, und machte mir Sorgen, ob wir eine Fernbeziehung schaffen würden. Aber die Prosathek ist stark. Sie ist offen, sie ist geil!
Was ist eigentlich die Prosathek? Sie ist eine Gruppe junger Autoren. Sie ist eine Gruppe junger Menschen, die leidenschaftlich gerne schreiben, auch wenn sie eigentlich anderes zu tun hätten. Menschen, die übermäßig viel lesen und loben und kritisieren und Änderungsvorschläge machen, damit jeder von uns immer besser wird. Eine Gruppe junger Menschen, die die viele Arbeit auf sich nehmen, eine Homepage zu betreiben, auf der jeden Freitag ein neuer Text erscheint, Bücher herauszugeben und Lesungen zu organisieren. Das ist die Prosathek. Und ich habe sie mit meinen Kommilitonen 2015 in München gegründet.

Im April kommt sie nach Mainz. Anlass ist unsere kommende

Lesung im Hugendubel in Mainz
am Freitag, dem 28.April 2017 von 17:30 Uhr bis 19:00 Uhr.
Eintritt frei.

Für das anschließende Wochenende werde ich in meiner Wohnung ein Matratzenlager einrichten, um mindestens sieben von uns hier in Mainz unterzubringen, denn wir sind arm und brauchen das Geld für Kaffee, Pizza und Alkohol, wir können es nicht in ein Jugendherbergszimmer investieren. Denn im Anschluss an unsere Lesung werden wir eines unserer legendären Prosathekswochenenden abhalten: Es wird lustig und turbulent, es werden sehr viele verrückte Ideen durchgespielt, Organisation oraganisiert, Pläne geschmiedet, es werden kreativer Input mit kreativen Output Hand in Hand gehen. Wir werden unsere nächsten Buchprojekte besprechen, unsere nächsten Lesungen (z.B. im Herbst in Bregenz) und unsere Pläne für die kommenden Jahre. Ich freue mich schon darauf, die Prosathek zum ersten Mal in Mainz Willkommen zu heißen!

Zeitungsartikel zu Annika Kemmeters Lesung in Bermbach

Heute ist im Wiesbadener Tageblatt ein Artikel zu meiner Lesung am vergangenen Samstag in Bermbach erschienen. Die Journalistin Marion Diefenbach lobt die „krimiähnliche Spannung“ und die „klare Sprache“ in meinen Geschichten,  sowie die „originelle wie witzige Reihe an Gedichten“. Es freut mich, dass ich den Geschmack des Publikums getroffen habe. Auch für mich war es ein sehr schöner Abend!

Hier geht es direkt zu dem vollständigen Zeitungsartikel zu Annika Kemmeters Lesung in Bermbach.

Lesung in Bermbach

Ein wunderbares Publikum hat mich gestern Abend in Bermbach empfangen. Vielen Dank an alle Gäste, dass sie so zahlreich erschienen sind und so interessiert zugehört haben. Ich hatte die Ehre, mich mit einigen von ihnen nach der Lesung beim Fingerfood-Buffet noch zu unterhalten – über Spinnen, Kakerlaken und menschlichere Angelegenheiten. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich, dass der Abend so gelungen ist. Vielen Dank auch an Martina Göres und Gabi Ulbrich, die die Lesung ermöglicht haben.

 

Dominik Leitner rezensiert „Nichts Dramatisches“

Unsere Kurzgeschichtensammlung „Nichts Dramatisches“ wurde zum zweiten Mal rezensiert, diesmal von Dominik Leitner auf seinem Literaturblog Neon Wilderness.

Wenn man neun Monate lang zu neunt an einem Literaturprojekt gesessen, getüftelt und gekritzelt hat und dann eine Kritik dabei herauskommt, die so klingt:

„Dass wirklich neun von neun Geschichten einen Treffer erzielen, das ist schon eine Leistung.“

dann weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat, im letzten Jahr.
Ich möchte mich bei Dominik Leitner bedanken, dass er sich die Zeit genommen hat, unser Literatur-Bändchen zu lesen, zu beschreiben und

„allen ans Herz [zu legen], die der Dramatik in Erzählungen nicht abgeneigt sind“.

Dem schließe ich mich gerne an und weise darauf hin, dass man „Nichts Dramatisches“ nicht nur über Amazon bestellen kann, sondern auch in jeder Buchhandlung. Z.B. im Hugendbubel in Mainz, in dem wir am 28.April „Nichts Dramatisches“ live vorstellen.
Eine weitere Rezension von „Nichts Dramatisches“ ist auch auf Academic World erschienen.

Rezension „Nichts Dramatisches“

Im Herbst 2016 habe ich mit meiner Autorengruppe Prosathek die außergewöhnliche* Kurzgeschichtensammlung „Nichts Dramatisches“ veröffentlicht. Viel Zeit, Energie und Herzblut haben wir reingesteckt, dafür Inspiration, Spaß und Lachfalten zurückbekommen. Jetzt wurde die erste Rezension veröffentlicht. Das Fazit von Alena Hegedüs: „Dramatisch gut gelungen!“
Stolzer kann man nicht sein.
Die ganze Rezension ist auf www.academicworld.net nachzulesen.

Erinnerung: Die Prosathek live erleben könnt ihr am 28.04.2017 im Hugendubel in Mainz.

*Außergewöhnlich, denn alle Kurzgeschichten stehen für sich und sind vom Stil her grundverschieden, wenngleich natürlich saugut. Das Interessante ist aber, dass wir uns die Vorgabe gegeben haben, unsere Kurzgeschichten in einen festen Rahmen zu pressen: Die ersten und letzten Sätze jeder Kurzgeschichte waren vorgegeben. Und jeder letzte Satz einer Geschichte ist zugleich der erste Satz der nächsten. So sind alle unabhängig voneinander und doch miteinander verwoben.
Der Satz, auf den ich hinarbeiten musste, mein Schlusssatz, die Pointe meines Textes, musste so lauten:
„Als ich den Weg raufkam sind mir zwei Kugeln um die Ohren geschossen und haben sich ins Portal gebohrt.“
Wer wissen will, wie man eine Geschichte mit diesem Satz beendet, ist herzlich eingeladen, das Buch zu kaufen oder zu unserer Lesung zu kommen. Oder beides 🙂